Der Berufsstand der Psycholog*innen in Deutschland ist stark. Die Ausbildung ist teuer und das Einkommen liegt deutlich über dem von Sozialarbeiter*innen. Die Psychologie als Fach wächst und die Fachgebiete entwickeln sich tendenziell auseinander. Psycholog*innen bzw. psychologisch informiertes Denken und Handeln etablieren sich auf immer mehr Arbeits- und Dienstleistungsmärkten.  Auch von einer Psychologisierung der Geselschaft ist die Rede. Die Szene der akademischen Psychologie bleibt uns, auch nach unserem nun auf’s Ende zugehendem Bachelor-Studium, eine diffuse und sich mit der gesellschaftlichen Nachfrage schnell entwickelnde Szene, deren Geschichte wenig beobachtet wird, und denen gemeinsam geteilte Grundlagen fehlen. Die unter Psycholog*innen dominierende Behauptung, es sei und bleibe ein naturwissenschaftliches Fach, illustriert die ideologische Schwebe, in der sich die Disziplin befindet.  Ihr Einfluß auf die Definitionen, was gesund sei, was Leistung, Macht, Beziehung und Erziehung ausmache, kurz, wie die gesellschaftliche Rolle der Psychologie sowohl als Ideologie und Diskurs, als auch als vielfältige Branche einzuschätzen ist, wird wenig beobachtet, aber affirmativ betrieben.

Aus diesen und weiteren Gründen interessieren wir uns für eine neue Geschichte der Psychologie. Sie soll kulturell, ideologisch und ökonomisch kritisch das Gewordensein psychologischer Arbeit darstellen. Wir suchen in einem ersten Schritt gesellschaftswissenschaftliche Theorien und Forschungsansätze, mit denen sich eine Psychologiegeschichtsschreibung betreiben läßt.

Forschungsgruppe Geschichte der psychologischen Arbeit

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